Hoch hinaus – Klettern avanciert zum Breitensport

Klettern in Hamburg? In der Flachlandmetropole mit Wasserüberschuss? Ja, die Kletterhallen in Hamburg erfreuen sich großem Zulauf. Geklettert wird mit oder ohne  Kletterausrüstung, alleine oder mit Partner. Zuletzt haben in Wilhelmsburg und Altona zwei neue Hallen eröffnet. Der Salon du Bloc und die Halle des Deutschen Alpenvereins in Lokstedt existieren schon länger. Was ist dran am Klettern? Wieso zieht es so viele die steilen Wände hinauf? Nach einem halben Jahr in der Lokstedter Halle habe ich eine Vorstellung.  

climbing-holds-101538_640Jetzt im Winter bekommen wir abends in der Halle fast keinen Fuß auf den Boden. Dicht an dicht stehen die Sichernden vor den Wänden. Mit beiden Händen am Seil, den Blick nach oben gerichtet und verfolgen die Kletterroute ihres Partners. Auf dem Weg durch die Halle geht mein Blick immer wieder zur Hallendecke. Regelmäßig kommt nach Abschluss der Route ein Kletterer geräuschlos von der Hallendecke herabgeseilt.

Mein Kletterpartner und ich wurden von Jan, einem 70-jährigen passionierten Sportlehrer, eingewiesen. Die Routen sind farblich markiert und mit einem Schwierigkeitsgrad versehen – und wer seine Höhenangst überwindet, findet auch immer eine Route hinauf. Als Beginner sind wir im Toprope gestartet. Die Fortgeschrittenen klettern im Vorstieg. Sie müssen sich auf dem Weg nach oben alle 1,5 Meter selber sichern. Das ist anstrengender und ein möglicher Sturz ist etwas tiefer.

Was macht das Klettern zu so einem beliebten Sport?

  • Klettern hat nicht die körperliche Fitness im Fokus. Klettern vermittelt ähnlich wie Yoga eine „Lebenseinstellung“, ein Gefühl von Naturverbundenheit und Freiheit
  • Klettern ist für Körper und Kopf eine Herausforderung. Die Konzentration ist an der Wand und beim Sichern gefordert. Ein perfekter Ausgleich.
  • Beim Klettern gibt es keine Zeitvorgabe. Man klettert in seinem Tempo und solange man will.
  • Man kann das Klettern flexibel in den Alltag einbauen.
  • Beim Klettern überwindet man immer wieder eigene Grenzen und stärkt das Vertrauen in eigene Fähigkeiten.
  • Die Hallen bieten ständig neue Routen und im Sommer kann man auch draußen klettern bzw. zum „echten“ Klettern in die Berge aufbrechen.
  • Es gibt viele Facetten des Kletterns. Dazu gehört z. B. das Klettern in Absprunghöhe (Bouldern) oder ohne Sicherung über dem Meer (Deep Water Soloinn).
  • Nicht zuletzt. Klettern macht Spaß und der Nervenkitzel setzt eine Menge Adrenalin frei

Was denkt der Physiotherapeut?

Klettern ist ein sehr guter Ausgleich und stärkt den ganzen Körper. Ich empfehle das Klettern als ergänzenden Sport. Wer mit dem Klettern beginnt, sollte seinem Körper wie bei jedem Sport ausreichend Zeit geben, sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Gerade die Belastung der Finger- und Unterarmmuskulatur führt nicht selten zu Überlastungen am Ellenbogen oder Schultergelenk. Wer anfangs zu häufig klettert und Signale wie Schmerz ignoriert, wird später zu einer längeren Pause gezwungen sein. Die engen Schuhe zwingen den Großzeh in eine unnatürliche Position. Das kann über längere Zeit zu einer Fehlstellung, dem sogenannten Hallux valgus führen. Wer viel klettert, sollte sich auch für seine aufrechte Körperhaltung einen körperlichen Ausgleich suchen.

 

 

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